Alkohol oho oder oha?

Die Aussage, ein bisschen Alkohol hilft und hat durchaus gesundheitliche positive Auswirkungen, wird oft vernommen. Der gesunde moderate Alkoholkonsum ist im Kollektivbewusstsein verankert und wird in den Massenmedien regelmässig untermauert oder gar reisserisch überhöht: "Menschen, die keinen Alkohol trinken sterben früher" (business insider Deutschland, Link).

 

Ist dem so? Scheinbar ja, zeigt doch die oft hinzugezogene J-geformte Kurve, dass die Alkohol abstinenten Menschen eine geringere Lebenserwartung haben als (wirklich) moderate Alkohol Konsumenten. Des weiteren stützen Aussagen bezüglich Schutz für den Herz-Kreislauf und anderen gesundheitlichen Vorteilen die Plausibilität des gesunden massvollen Trinkens - meist ohne genau anzugeben zu welchem Preis.

 

Der Alkoholkonsum ist ein gesellschaftlich verankertes Ritual eine kulturell verankerte Alltagsgewohnheit, wie Rauchen es war, Mitte des 20. Jahrhunderts. Es fördert die sozialen Beziehungen und hilft das Leben in lustiger Runde zu geniessen. Ist doch gut, oder?

 

Doch: Alkohol ist ein Toxin, ein Nervengift, welches Suchtpotential hat und auch bei moderatem Konsum bereits negative Auswirkungen hat (Spektrum der Wissenschaft 2001, Link).

 

Was ist nun der wissenschaftlich Stand, ist Alkohol ein bisschen gesund oder nicht?

 

Der Alkoholkonsum ist auch in moderaten Mengen nicht förderlich in Bezug auf die Lebenserwartung. Es ist ein Teil des Lebensstils, welcher guten Glaubens bereinigt werden kann. Eine 2016 publizierte Meta-Analyse mit einer Population von knapp 4 Mio Individuen und darunter 360'000 Todesfällen kommt zum Schluss, dass moderater Alkoholkonsum etwa gleich riskant ist wie der Konsum von mittleren Volumen. Und bedeutungsvoller: Dieses moderate Verhalten zeigt keine Netto-Mortalitäts-Vorteile im Vergleich mit Alkoholabstinenz oder gelegentlichem Alkoholkonsum. (Do "moderate" drinkers have reduced mortality risk? J Stud Alcohol Drugs, 2016,  Link.)

 

Viele Studien, welche zur Erkenntnis mit der J-Kurve kommen haben methodische Mängel, indem bspw. die Gruppe der Alkoholabstinenten mit den Menschen vermischt werden, die wegen Alkohol bedingten oder anderen Krankheiten keinen Alkohol mehr zu sich nehmen.

 

Die J-Kurve bezüglich Lebenserwartung und Alkoholkonsum ist gemäss den neusten wissenschaftlichen Erkennntissen ein Trugbild. Alkoholabstinenz und gelegentlicher Alkoholkonsum sind gesund. Der niedrige, moderate Konsum definiert durch unsere Alkoholmengen-Grenzwerten pro Tag ist es nicht.

 

Eine lustige Runde unter Freunden kann auch mit Kaffee und Kuchen abgehalten werden (diese Themen wären dann andere Blog-Artikel: Freundschaften sind hoch gesundheitsfördernd, Zuckerkonsum nicht).

 

Ein Lebensstil, welcher ohne regelmässigen Alkoholkonsum auskommt, ist also durchaus erstrebenswert. Es beginnt damit, Alkohol in der Alltagssprache nicht zu verharmlosen. Dieser Artikel soll einen Anstoss dazu geben, Alkohol nur als Genussmittel zu betrachten. Alkohol bietet langfristig keine gesundheitsförderlichen Vorteile.

 

 

 

 

 

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Pierre-Yves Glauser     

Systemischer Coach und Berater CTAS

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